Muslimisches Wasch- und Gebetshaus Friedhof Finkenriek in Hamburg, Deutschland (2017–2020)
Medine Altiok
Der Friedhof Finkenriek wurde um ein muslimisches Gräberfeld und ein Wasch- und Gebetshaus erweitert, damit Bestattungen nach muslimischem Ritus in einem würdevollen Rahmen stattfinden können. Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit Imamen als Vertreter lokaler muslimischer Gemeinden und reagiert auf eine konkrete gesellschaftliche Aufgabe: einen Ort des Abschieds für muslimische Bewohner zu schaffen.
Das Gebäude ist nach Mekka ausgerichtet und vereint alle wesentlichen Funktionen kompakt unter einem auskragenden Zeltdach: den Raum für die rituelle Waschung, den Gebetsraum, Warteräume, Sanitärräume sowie einen überdachten Außenbereich mit Totenstein für das Verabschiedungsgebet. Zwei getrennte Eingänge führen in das Gebäude und ermöglichen eine Nutzung nach den rituellen Abläufen.
Architektonisch verbindet das Projekt hanseatische und muslimische Baukulturen. Das helle, sandsteinfarbene Mauerwerk erinnert an lokale Backsteintraditionen und entwickelt zugleich ein geometrisches Ornament, das aus islamischen Architekturmotiven wie Maschrabiyyas abgeleitet ist. Das auf Abstand gemauerte Verblendmauerwerk filtert Licht, schafft Intimität und wirkt als Übergang zwischen Innen und Außen.
Im Inneren prägen reduzierte Materialien, helle Wandflächen, ein grüner Gebetsteppich und eine goldfarbene Kuppel die ruhige Atmosphäre des Gebetsraums. Der Waschraum ist schlichter gehalten und erhält durch Licht, Gitterornament und Kuppel eine eigene Würde.
Das Projekt schafft eine neue Typologie für eine pluralistische Stadtgesellschaft. Es ist weder Moschee noch klassische Abdankungshalle, sondern ein eigenständiger Ort für Ritual, Gemeinschaft und Abschied. Es zeigt, wie Architektur kulturelle Differenz sichtbar machen kann, ohne sich vom bestehenden Friedhofskontext abzusetzen.
Das mehrfach publizierte Projekt war Preisträger beim BDA Hamburg Architektur Preis 2022, für DAM Preis und Swiss Arc Award shortlisted sowie für den Mies van der Rohe Award nominiert.
Planning partners: Medine Altiok; Carola Görge, Hamburg; Belp Ingenieure und Sineplan, Hamburg; asdfg Architekten, Hamburg; Applied Acoustics GmbH, Gelterkinden; Cemterra und Brandenfels, Münster; S/W Design, Zürich
Client: DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und bau GmbH
Categories: New Construction, Art and Culture
Project Gallery

1 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_Ansicht aussen.jpeg

2 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_überdachter Eingang mit Totenstein .jpeg

3 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_Gebetsraum.jpeg

4 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_Situationsplan.jpg

5 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_Grundriss.jpg

6 Muslimisches_Wasch-und_Gebetshaus_Schnitt.jpg
Medine Altiok DE
http://www.medinealtiok.com
Jakobstr. 202 | 52064 Aachen